
Ratgeber
Vom dampfgetriebenen Karussell des 19. Jahrhunderts bis zur transportablen Achterbahn mit fünf Loopings. Der Ratgeber erklärt Technik, Aufbau, Sicherheitsprüfung und Preise der Fahrgeschäfte.
Das Karussell stammt aus dem höfischen Ringstechen. Im 18. Jahrhundert übten junge Adelige bei diesem Spiel, im Galopp mit der Lanze Ringe aufzuspießen. Um 1701 entstanden die ersten drehbaren Holzkonstruktionen in Schlossgärten, angetrieben von Muskelkraft. Der Wiener Prater bekam 1766 sein Pferdekarussell, auf dem Münchner Oktoberfest drehten sich ab 1818 die ersten Karussells.
Den technischen Bruch brachte die Dampfmaschine. Der Engländer Thomas Bradshaw baute 1862 das erste dampfangetriebene Bodenkarussell; die Maschine stand im Mittelbau, der Dampf wurde durch den Mast nach oben geführt. Frederick Savage konstruierte in den folgenden Jahren mehrere dampfbetriebene Bauarten, darunter 1880 das Schiffskarussell Sea on Land.
Die Elektrifizierung folgte um 1890. Der Schausteller Hugo Haase führte 1892 ein elektrisch betriebenes Karussell vor und bezog den Strom aus einer 300 Meter entfernten eigenen Station. Deutschland holte damit technisch auf: Fritz Bothmann in Gotha beschäftigte gegen Ende der 1880er Jahre rund 100 Arbeiter und lieferte etwa 50 Karussells im Jahr.
Das Riesenrad in seiner heutigen Form geht auf den Ingenieur George Washington Gale Ferris jr. zurück. Für die Weltausstellung 1893 in Chicago suchte man ein Bauwerk, das dem Pariser Eiffelturm von 1889 etwas entgegensetzt. Ferris' Rad wurde am 21. Juni 1893 eröffnet, maß rund 80 Meter in der Höhe und trug 36 Kabinen für je bis zu 60 Personen, zusammen 2.160 Fahrgäste. Eine Fahrt über zwei Umdrehungen dauerte 20 Minuten.
Europa zog rasch nach, mit Rädern in Blackpool (1894), Wien (1897), Berlin (1898) und Paris (1900). Transportable Stahl-Riesenräder für Volksfeste werden in Deutschland seit den 1960er Jahren gebaut.
Auf bayerischen Festplätzen ist das Oktoberfest-Riesenrad das bekannteste: 50 Meter hoch, 40 Gondeln, bis zu 400 Fahrgäste, seit 1979 auf der Theresienwiese. Auf dem Augsburger Plärrer drehte sich 2024 die 48 Meter hohe Roue Parisienne. Die großen mobilen Räder bewegen sich damit in einer Größenordnung von etwa 45 bis 60 Metern.
Beim Kettenkarussell hängen die Sitze an Ketten an einem Drehkranz. Sobald sich der Kranz dreht, wandern sie nach außen. Auf jeden Sitz wirken zwei Kräfte: die Gewichtskraft nach unten und die Kettenkraft entlang der Kette. Erst wenn die Kette schräg steht, ergibt die Summe beider Kräfte eine zur Drehachse zeigende Zentripetalkraft, die den Sitz überhaupt auf der Kreisbahn hält. Die Neigung ist also nicht die Folge einer Kraft, die nach außen zieht, sondern die Bedingung dafür, dass die Kreisbahn zustande kommt. Je schneller die Drehung, desto flacher steht die Kette.
Der Wellenflug ist die verbreitetste Weiterentwicklung. Der Mast ist am oberen Ende leicht abgeknickt; ein Hydraulikstempel hebt den Drehkranz über diesen Knick, Oberteil und Mast drehen gegenläufig, daraus entsteht die wellenförmige Bewegung. Das System entstand 1972; die bayerische Firma Zierer hat davon über 200 Stück gebaut.
Nach oben ist die Bauart offen: Der Praterturm in Wien misst 117 Meter, Eclipse in Schweden 120 Meter, der Allgäuflieger im bayerischen Skyline Park 142 Meter. Auf dem Oktoberfest kostete eine Fahrt im 80-Meter-Kettenkarussell 2025 zehn Euro.
Der Autoscooter kam aus den USA: Um 1921 baute die Dodgem Corporation in Massachusetts die ersten Anlagen. Hugo Haase brachte das Geschäft 1926 nach Düsseldorf, ab 1926/27 fertigten deutsche Hersteller selbst. Die Wagen nehmen den Strom über einen Kontakt am Deckengitter auf und geben ihn über den elektrifizierten Boden zurück. Mack in Waldkirch entwickelte 1954 die Sechs-Säulen-, 1961 die Acht-Säulen- und 1971 die besonders erfolgreiche Zwei-Säulen-Bauweise.
Der Break Dance wurde 1985 von der Huss Maschinenfabrik gebaut. Auf einer um sieben Grad geneigten Drehscheibe sitzen vier oder sechs Gondelkreuze mit je vier Zweiergondeln. Scheibe und Kreuze drehen gegenläufig, die Gondeln schwingen zusätzlich frei um die eigene Achse.
Der Musik Express gehört zur Familie der Berg- und Talbahnen, die seit etwa 1890 aus dem Karussell hervorgingen. Anders als bei der Raupenbahn, bei der sich während der Fahrt ein Stoffverdeck über die Fahrgäste stülpt, hat der Musik Express ein fest montiertes Dach. Er zählt zu den meistgebauten Fahrgeschäften Europas und kommt mit zwei bis drei Transporten aus.
Die Krinoline ist auf der Wiesn seit 1924 konzessioniert. Sechzehn sofaförmige Gondeln hängen unter einem rot-blau gestreiften Zeltdach, das Karussell dreht sich mit höchstens 15 km/h und wippt dabei. Ursprünglich schoben drei bis vier Männer es von Hand an; erst in den späten 1930er Jahren kam ein elektrischer Antrieb. Seit 1938 spielt eine Blaskapelle live auf dem Karussell mit – das unterscheidet die Krinoline von jedem anderen Fahrgeschäft. Sie gilt als letztes Original ihrer Bauart.
Das Teufelsrad brachte der Münchner Schausteller Carl Gabriel 1908 auf die Wiesn. Eine flache Scheibe dreht sich immer schneller, die Mitfahrer versuchen sich zu halten, ein Ansager kommentiert. Es ist mehr Schau- als Fahrgeschäft; 2025 kostete der Eintritt 5 Euro, für Kinder 1 Euro.
Der Toboggan ist eine Turmrutschbahn: Ein schnell laufendes Förderband befördert die Gäste nach oben, hinunter geht es auf einer Holzrutsche mit einer Sackleinwand als Unterlage. Anton Bausch errichtete 1906 den vermutlich ersten deutschen Toboggan. Das Exemplar auf dem Oktoberfest steht dort seit 1933 und gehört zu den letzten regelmäßig aufgebauten im deutschsprachigen Raum.
Der Schichtl ist kein Fahrgeschäft, sondern ein Zaubertheater. Michael August Schichtl gründete es 1869, 2019 wurde das 150-jährige Bestehen gefeiert. Kern der Vorstellung ist die inszenierte Enthauptung eines Freiwilligen mit der Guillotine auf offener Bühne, gezeigt rund 20 Mal am Tag.
Das Olympia Looping gilt als größte transportable Achterbahn der Welt und ist die einzige mobile Bahn mit fünf Loopings, die als Olympische Ringe angeordnet sind. Premiere war im September 1989 auf dem Oktoberfest. Das Konzept stammt von Anton Schwarzkopf und Werner Stengel. Die Strecke ist 1.250 Meter lang, die Konstruktion rund 32,5 Meter hoch und etwa 900 Tonnen schwer, der Platzbedarf liegt bei rund 86 mal 38 Metern, die Fahrgäste erfahren bis zu 5,2 g.
Die Alpina Bahn ist das Gegenstück ohne Überschlag und wird als größte und längste transportable Achterbahn ohne Inversionen bezeichnet. Auch sie stammt von Anton Schwarzkopf mit einem Layout von Werner Stengel. Sie ist rund 32 Meter hoch, hat etwa 1.020 Meter Strecke, erreicht rund 80 km/h, wiegt 600 Tonnen und benötigt einen Anschluss von 280 kW. Damit ist sie die familientauglichere der beiden großen Wiesn-Bahnen.
Ein großes Fahrgeschäft ist ein Bauwerk auf Zeit. Riesenräder, Achterbahnen und Türme kommen in Einzelteilen auf Sattelzügen und in Containern an. Für ein transportables 60-Meter-Riesenrad mit 42 Gondeln nennt ein Anbieter 29 Vierzig-Fuß-Container, rund 450 Tonnen Stahl und eine Aufbauzeit von vier bis sechs Tagen.
Der Zeitplan eines Volksfests richtet sich nach diesen Größen. Auf der Theresienwiese beginnt der Aufbau rund zwölf Wochen vor der Eröffnung. 2026 startete er am 29. Juni mit den großen Zelten, die Hochfahrgeschäfte folgen ab dem 26. August, Autoscooter, Geisterbahnen und Rundfahrgeschäfte ab dem 2. September. Allein für eine große Festhalle rechnet die Stadt mit 70 bis 100 Lkw-Ladungen.
Fahrgeschäfte sind rechtlich Fliegende Bauten: bauliche Anlagen, die dafür bestimmt sind, an verschiedenen Orten wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden. Grundlage ist die jeweilige Landesbauordnung. Vor dem ersten Aufbau braucht ein Fahrgeschäft eine Ausführungsgenehmigung. Sie wird von einer anerkannten Prüfstelle erteilt, stützt sich technisch unter anderem auf die Normenreihe DIN EN 13814 und wird in ein Prüfbuch eingetragen, das urkundensicher gebunden und fortlaufend nummeriert sein muss.
Die Genehmigung ist befristet, je nach Bauart auf ein bis fünf Jahre, für Hochgeschäfte auf ein bis zwei Jahre. Vor jeder Verlängerung wird auf Rost, Materialermüdung und Verschleiß geprüft, mit Schwerpunkt auf Bremsen, Sicherheitsbügeln und tragenden Teilen. Für hoch beanspruchte Fahrgeschäfte ist zwölf Jahre nach Inbetriebnahme eine Sonderprüfung durch Sachverständige vorgesehen. Die Fristen sind Landesrecht und können abweichen.
Am Festplatz folgt die Gebrauchsabnahme. Vor der Inbetriebnahme prüft die untere Bauaufsichtsbehörde oder ein beauftragter Sachverständiger, ob die Genehmigung gültig ist, ob der Aufbau den Plänen entspricht, ob der Untergrund trägt und ob Rettungswege gekennzeichnet sind. Dazu gehören Testfahrten.
Hinter den Fahrgeschäften stehen fast ausschließlich Familienbetriebe. Der Deutsche Schaustellerbund nennt rund 5.600 Betriebe mit etwa 30.800 Beschäftigten, die auf etwa 9.750 Volksfesten im Jahr arbeiten. Fahrgeschäfte machen davon rund 24 Prozent aus, Gastronomie 37 Prozent, Verkaufsgeschäfte 19 Prozent, Belustigungs- und Spielgeschäfte 14 Prozent. Ein Betrieb steht im Schnitt an 141 Tagen im Jahr auf einem Platz. Die Familien sind im Mittel seit 105 Jahren unterwegs, rechnerisch in der fünften Generation.
Für Bayern weist das Landesamt für Statistik 461 Schaustellerbetriebe für das Jahr 2021 aus, davon 119 in München und 50 in Nürnberg. 2019 waren es noch 636 – der Rückgang geht auf die abgesagten Feste der Pandemiejahre zurück. Zur Größenordnung eines mittleren Fests: Das Gäubodenvolksfest in Straubing hatte 2025 dreißig Fahrgeschäfte, darunter acht Rund- und acht Hochfahrgeschäfte sowie neun Kindergeschäfte.
Preisbeispiele vom Oktoberfest 2025: Olympia Looping 14 Euro, 80-Meter-Kettenkarussell 10 Euro, Freefall-Turm und Wildwasserbahn je 9 Euro, Geisterbahn 6 Euro, Teufelsrad 5 Euro und für Kinder 1 Euro, Autoscooter 4 Euro. Auf kleineren bayerischen Volksfesten liegen die Preise in der Regel darunter. An den beiden Familiendienstagen der Wiesn sind die Fahrpreise bis 19 Uhr ermäßigt; vergleichbare Familientage gibt es auf den meisten größeren Festen.
Für Reihenfolge und Altersstufen hat sich bewährt:
Der amerikanische Ingenieur George Washington Gale Ferris jr. baute das erste große Riesenrad für die Weltausstellung 1893 in Chicago. Es war rund 80 Meter hoch, hatte 36 Kabinen und eröffnete am 21. Juni 1893. Es war als amerikanische Antwort auf den Pariser Eiffelturm von 1889 gedacht.
Damit ein Sitz auf einer Kreisbahn bleibt, braucht er eine zur Drehachse zeigende Kraft. Diese entsteht erst, wenn sich die Kette schräg stellt und die Kettenkraft zusammen mit der Gewichtskraft eine nach innen gerichtete Resultierende ergibt. Je schneller das Karussell dreht, desto flacher steht die Kette.
Vor dem ersten Aufbau erteilt eine anerkannte Prüfstelle die Ausführungsgenehmigung, die je nach Bauart ein bis fünf Jahre gilt und danach nur nach erneuter Prüfung verlängert wird. An jedem Standort kommt vor der Inbetriebnahme die Gebrauchsabnahme durch die Bauaufsicht oder einen Sachverständigen dazu, einschließlich Testfahrten. Alle Ergebnisse werden ins Prüfbuch eingetragen.
Das Olympia Looping gilt als größte transportable Achterbahn der Welt und ist die einzige mobile Bahn mit fünf Loopings. Sie hat 1.250 Meter Strecke, ist rund 32,5 Meter hoch und wiegt etwa 900 Tonnen. Premiere war 1989 auf dem Oktoberfest.
Auf der Krinoline spielt seit 1938 eine Blaskapelle live mit, während sich das Karussell dreht und wippt. Sie ist auf dem Oktoberfest seit 1924 konzessioniert, wurde anfangs von Hand angeschoben und gilt heute als letztes Original ihrer Bauart.
An Familientagen, auf dem Oktoberfest an beiden Dienstagen bis 19 Uhr, senken die meisten Betriebe die Fahrpreise. Kleinere bayerische Volksfeste verlangen ohnehin weniger als die Wiesn, wo 2025 zum Beispiel 14 Euro für das Olympia Looping und 4 Euro für den Autoscooter fällig waren.
Bild oben: Dietmar Rabich · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons