
Ratgeber
Festbier ist kein Marketingbegriff, sondern ein eigener Biertyp mit höherer Stammwürze. Der Text zeigt die Werte, die Herkunft des Märzen, die Preise nach Jahren und die Regeln zur Füllmenge.
Festbier ist kein Werbebegriff für ein gewöhnliches Helles im anderen Etikett, sondern ein eigener Biertyp mit messbar anderen Werten. Entscheidend ist die Stammwürze: der Anteil an gelösten Stoffen aus Malz und Hopfen in der Würze vor der Gärung, angegeben in Prozent oder Grad Plato. Je mehr Stammwürze, desto mehr Zucker steht der Hefe zur Verfügung und desto mehr Alkohol entsteht.
Ein Münchner Helles liegt nach den gängigen Stilangaben bei etwa 11,3 bis 12,8 Grad Plato und 4,7 bis 5,4 Prozent Alkohol. Festbier für das Oktoberfest muss dagegen mindestens 13,5 Prozent Stammwürze erreichen. In der Praxis liegen die Biere darüber: Paulaner gibt für sein Oktoberfest-Bier 13,7 Prozent Stammwürze und 6,0 Prozent Alkohol an, Augustiner nennt für das Wiesnbier rund 6 Prozent.
Der Unterschied wirkt klein, summiert sich aber über einen Liter. Rechnerisch enthält eine Maß mit 6,0 Prozent Alkohol rund 47 Gramm reinen Alkohol. Ein halber Liter Helles mit 5 Prozent kommt auf etwa 20 Gramm. Eine Maß Festbier entspricht damit ungefähr zweieinhalb halben Bieren, nicht zwei.
Der Ursprung liegt in einer Vorschrift, nicht im Geschmack. Die bayerische Brauordnung von 1539 und ein Dekret Albrechts V. von 1553 erlaubten das Brauen nur zwischen Michaeli am 29. September und Georgi am 23. April. Zwei Gründe standen dahinter: die Brandgefahr beim Sieden in den heißen Monaten und die Temperaturen. Untergärige Hefe arbeitet zuverlässig nur unter etwa zehn Grad, und ohne Kältemaschine war das im Sommer nicht zu halten.
Damit fehlten fünf Monate Produktion. Die Brauer legten deshalb im März einen letzten, besonders haltbaren Sud an. Haltbar wurde er durch mehr Stammwürze, mehr Alkohol und stärkere Hopfung, alle drei hemmen unerwünschte Keime. Gelagert wurde in tiefen Felsenkellern, gekühlt mit Natureis aus Weihern und Flüssen.
Dieses Märzen war im Herbst noch trinkbar und wurde ausgeschenkt, bevor die neue Brausaison begann. Daraus wurde der Biertyp, den heute jedes Volksfest als Festbier führt. Die technische Notwendigkeit ist längst weg, das Profil ist geblieben.
Die bayerische Landesordnung vom 24. April 1516, erlassen unter den Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X., legte fest, dass zu Bier allain Gersten, Hopffen und Wasser genommen werden sollte. Hefe fehlt im Wortlaut, weil ihre Rolle noch nicht bekannt war; erst ein bayerisches Gesetz von 1910 nannte sie ausdrücklich.
Interessant für das Thema Festbier: dieselbe Ordnung enthielt eine Preisregel. Für die Maß Winterbier war ein Münchner Pfennig zulässig, für die Maß Sommerbier, im Text als Märtzen bezeichnet, zwei Pfennige. Das stärkere Bier war also schon 1516 doppelt so teuer wie das gewöhnliche, und der Preisunterschied war behördlich festgelegt.
Für heutiges Festbier bedeutet das Reinheitsgebot vor allem eine Beschränkung des Werkzeugkastens. Mehr Alkohol lässt sich nicht durch Zusätze erreichen, sondern nur über mehr Malz im Sud. Das ist der Grund, warum ein Festbier nicht nur stärker, sondern auch vollmundiger und malzbetonter schmeckt als ein Helles.
Für das Oktoberfest gelten zusätzliche Vorgaben. Ausgeschenkt werden darf nur Bier der sechs Münchner Traditionsbrauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Das Bier muss im Münchner Stadtgebiet gebraut sein. Als Grundlage nennen die Brauereien das Münchner Reinheitsgebot von 1487, das dem bayerischen um knapp drei Jahrzehnte vorausging.
Dazu kommt die Stammwürze-Vorgabe von mindestens 13,5 Prozent. Einzelne Quellen der Münchner Brauwirtschaft nennen 13,6 Prozent als Untergrenze; die Abweichung liegt im Zehntelbereich. Steuerlich zählt Festbier damit noch als Vollbier, dessen Bereich bei 11 bis 16 Grad Plato liegt. Starkbier im Sinne des Steuerrechts ist es nicht.
Seit Oktober 2022 ist Münchner Oktoberfestbier zusätzlich als geschützte geografische Angabe in der EU eingetragen. Festbier auf einem Volksfest außerhalb Münchens darf ähnlich gebraut sein, aber nicht so heißen.
Für 2026 liegt die Maß auf dem Oktoberfest zwischen 14,80 und 15,90 Euro, im Schnitt bei 15,61 Euro. Am günstigsten schenken das Familienplatzl und das Museumszelt auf der Oidn Wiesn mit 14,80 Euro aus. Sieben Zelte rufen den Höchstwert von 15,90 Euro auf. Die Marke von 16 Euro ist damit noch nicht erreicht.
Der Verlauf der Vorjahre: 2023 kostete die Maß zwischen 12,60 und 14,90 Euro, 2024 zwischen 13,60 und 15,30 Euro, 2025 zwischen 14,50 und 15,80 Euro. Der Aufschlag von 2025 auf 2026 liegt im Mittel bei rund 2,4 Prozent, in den meisten Zelten sind es 40 bis 60 Cent.
Die Preise setzen die Wirte und Brauereien selbst. Die Stadt München legt sie nicht fest, sondern prüft nur, ob sie im Vergleich zur örtlichen Gastronomie angemessen sind.
Außerhalb Münchens fällt der Preis deutlich niedriger aus. Beim Gäubodenvolksfest in Straubing, dem zweitgrößten Volksfest Bayerns, kostet die Maß 2026 zwischen 13,30 und 13,35 Euro. Auf der Landshuter Bartlmädult verlangte ein Festzelt 2026 laut eigener Speisekarte 11,30 Euro für die Maß Festbier.
Der Abstand zur Wiesn beträgt damit je nach Fest rund zwei bis viereinhalb Euro pro Liter. Die Gründe liegen nicht am Bier, sondern an den Kosten drumherum: Platzmiete, Zeltaufbau, Sicherheitspersonal, Musik und Servicequote sind in München um ein Vielfaches höher. Wer den Preis vergleicht, sollte deshalb immer das Jahr mitnennen, weil sich die Werte jährlich verschieben.
Der Maßkrug ist rechtlich ein Ausschankmaß und fällt unter das Mess- und Eichgesetz. Krüge, die seit dem 1. November 2016 in Verkehr gebracht werden, brauchen Füllstriche mit Volumenangabe, eine Herstellerkennzeichnung und eine Konformitätskennzeichnung. Ältere Gefäße kommen mit Eichstrich und registriertem Herstellerzeichen aus.
Rechtlich zählt nur die Flüssigkeit. Die Schaumkrone darf nicht mitgerechnet werden, der Eichstrich muss vom Bier selbst erreicht werden. Genau darauf zielt das Prüfverfahren: Die Kontrolleure des Kreisverwaltungsreferats lassen sich unangekündigt mindestens fünf gefüllte Krüge geben, lassen sie vier Minuten stehen, damit der Schaum zerfällt, und messen dann mit geeichtem Messstab. Ein Unterschank liegt vor, wenn der Krug weniger als 15 Millimeter unter dem Eichstrich gefüllt ist.
Die Ergebnisse sind bekannt: 2022 wies bei 825 ausgewerteten Maßkrügen gut 31 Prozent einen Unterschank auf, nur etwa 14 Prozent waren vollständig bis zum Eichstrich gefüllt. 2019 lag die Quote bei 18 Prozent, 2018 bei 14 Prozent. Praktisch heißt das: Wer einen sichtbar zu leeren Krug bekommt, kann nachschenken lassen.
Alkoholfreies Bier hat sich auf Volksfesten etabliert und wird in den Zelten regulär ausgeschenkt. Preislich bringt es keine Ersparnis: Auf dem Oktoberfest 2026 kostet die Maß alkoholfrei im Schnitt 15,73 Euro und liegt damit über dem Durchschnitt des Festbiers. Steuerlich ist alkoholfreies Bier unter 0,5 Prozent von der Biersteuer befreit, was am Zeltpreis nichts ändert.
Für alkoholfreie Getränke lagen die Durchschnittspreise 2026 bei 11,13 Euro je Liter Leitungswasser, 12,47 Euro für Limonade und 12,84 Euro für Spezi; 2025 waren es 10,95, 12,11 und 12,48 Euro. Bei der Wiesn 2025 stieg die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier je nach Zelt um sechs bis zehn Prozent.
Radler ist rechtlich ein Mischgetränk und wird aus Bier und Limonade angesetzt. Der Alkoholgehalt liegt bei einem Festbier-Radler grob bei der Hälfte des Ausgangsbiers, also meist um drei Prozent. Ein Freibrief ist das nicht, weil ein Liter Radler immer noch der Alkoholmenge von etwa eineinhalb halben Hellen entspricht.
Festbier wirkt aus drei Gründen schneller als das gewohnte Feierabendbier. Erstens ist mehr Alkohol pro Liter drin, rund 20 Prozent mehr als in einem Hellen. Zweitens ist die Portion größer: Eine Maß ist die Standardeinheit im Zelt, nicht die halbe. Drittens wird sie in einer Umgebung getrunken, in der das Tempo von der Musik und vom Tisch vorgegeben wird, nicht vom eigenen Durst.
Auch körperlich ist die Maß eine Ansage. Ein leerer Krug wiegt etwa 1300 Gramm, gefüllt bringt er rund 2300 Gramm auf die Waage.
Was praktisch hilft: vor dem ersten Bier etwas Deftiges essen, zwischendurch Wasser einplanen, und die erste Maß bewusst langsam trinken, weil die Wirkung zeitversetzt einsetzt. Wer mit dem Auto anreist, ist mit alkoholfreiem Bier oder Spezi im selben Krug unterwegs, ohne aufzufallen.
Festbier für das Oktoberfest muss mindestens 13,5 Prozent Stammwürze haben und liegt beim Alkohol meist um 6,0 Prozent. Ein Münchner Helles kommt auf etwa 11,3 bis 12,8 Grad Plato und 4,7 bis 5,4 Prozent. Pro Liter sind das rund 47 statt etwa 40 Gramm reiner Alkohol.
2026 liegt die Maß zwischen 14,80 und 15,90 Euro bei einem Durchschnitt von 15,61 Euro. 2025 waren es 14,50 bis 15,80 Euro, 2024 13,60 bis 15,30 Euro und 2023 12,60 bis 14,90 Euro. Die Stadt München setzt die Preise nicht fest, sondern prüft nur deren Angemessenheit.
Ein Unterschank liegt vor, wenn das Bier weniger als 15 Millimeter unter dem Eichstrich steht, nachdem der Schaum zerfallen ist. Die Kontrolleure lassen die Krüge dafür vier Minuten stehen und messen mit geeichtem Messstab. Gäste können in diesem Fall nachschenken lassen.
Nein. Maßgeblich ist die Flüssigkeit, die den Eichstrich erreichen muss. Der Schaum darf nicht mitgerechnet werden, weshalb die amtliche Prüfung bewusst erst nach einer Wartezeit misst.
Weil in Bayern zwischen 1539 und der Erfindung der Kältemaschine nur zwischen Michaeli und Georgi gebraut werden durfte. Der letzte Sud im März wurde mit mehr Stammwürze, mehr Alkohol und mehr Hopfen haltbar gemacht und im Herbst ausgeschenkt.
In der Regel nicht. Auf dem Oktoberfest 2026 kostet die Maß alkoholfrei im Schnitt 15,73 Euro und liegt damit über dem Durchschnittspreis des Festbiers. Die Steuerbefreiung für Bier unter 0,5 Prozent schlägt sich im Zeltpreis nicht nieder.
Bild oben: Nemracc · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons