Budengasse mit Verkaufsständen auf einer Dult

Ratgeber

Volksfest, Dult, Kirchweih, Kirta – wo ist der Unterschied?

Vier Wörter für scheinbar dasselbe. In Bayern meinen sie tatsächlich Verschiedenes – und wer die Herkunft kennt, versteht auch, warum die Termine liegen, wie sie liegen.

Kurz gesagt

Kirchweih ist der Ursprung: das Fest zur Weihe der Ortskirche. Kirta ist das altbayerische Wort dafür. Die Dult kommt vom Markt, nicht von der Kirche – sie war ein Jahrmarkt mit Marktrecht. Das Volksfest ist die jüngste Form: eine landwirtschaftliche Leistungsschau des 19. Jahrhunderts, aus der Bierzelt und Fahrgeschäfte wurden.

Die Kirchweih: das älteste Fest

Jede Kirche hatte einen Weihetag, und der wurde jährlich gefeiert. Weil das in manchen Gegenden bedeutete, dass in jedem Dorf an einem anderen Wochenende gefeiert wurde, verordneten mehrere Landesherren im 18. Jahrhundert einen gemeinsamen Termin – die Allerweltskirchweih im Oktober. In Franken hat sich die eigene Kirchweih vielerorts gehalten, dort heißt sie Kerwa oder Kärwa. Die Erlanger Bergkirchweih und die Fürther Michaelis-Kirchweih sind daraus zu Großveranstaltungen geworden, ohne den Namen zu verlieren.

Die Dult: vom Markt zum Fest

Dult ist ein altes Wort für Jahrmarkt und geht auf das gotische dulþs für Fest zurück. Entscheidend war das Marktrecht: Der Landesherr erlaubte einer Stadt, an bestimmten Tagen Handel zu treiben. Bei der Münchner Auer Dult sieht man das bis heute – dort stehen Geschirrstände, Trödel und Haushaltswaren neben den Fahrgeschäften, und die Dult ist vor allem ein Markt. Bei der Landshuter oder Regensburger Dult ist der Volksfestteil längst größer als der Marktteil, der Name aber geblieben.

Das Volksfest: eine Erfindung des 19. Jahrhunderts

Das Oktoberfest begann 1810 als Pferderennen zur Hochzeit des Kronprinzen, das Gäubodenvolksfest 1812 als landwirtschaftliches Fest für den Unterdonaukreis. Der Zweck war Fortschritt: Vieh, Geräte und Saatgut sollten gezeigt und prämiert werden. Das Vergnügen kam dazu und blieb übrig. Bei einigen Festen ist die Herkunft noch sichtbar – die Rottalschau beim Karpfhamer Fest und die Ostbayernschau in Straubing sind direkte Nachfahren dieser Leistungsschauen.

Warum das für die Termine wichtig ist

Weil fast jedes bayerische Fest seinen Termin aus seiner Herkunft ableitet und nicht aus dem Kalender. Die Bartlmädult in Landshut liegt um den Bartholomäustag am 24. August, das Gäubodenvolksfest um Mariä Himmelfahrt, die Bergkirchweih beginnt am Donnerstag vor Pfingsten. Deshalb steht bei jedem Fest auf dieser Seite die Terminregel – aus ihr lässt sich der Termin für kommende Jahre ableiten, lange bevor der Veranstalter ihn bestätigt.

Bild oben: Amrei-Marie · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons