Kinderfahrgeschäft auf dem Volksfest

Ratgeber

Mit Kindern aufs Volksfest: Familientage und Packliste

Auf den großen bayerischen Volksfesten gibt es feste Familientage mit halben Fahrpreisen. Wer die richtige Tageszeit wählt, Gehörschutz einpackt und die Jugendschutzregeln kennt, kommt entspannt durch den Tag.

Familientage: welche Feste, welche Ermäßigung

Fast jedes große bayerische Volksfest legt ein oder zwei Tage fest, an denen Fahrgeschäfte und Stände günstiger sind. Auf dem Oktoberfest sind das 2026 die beiden Familiendienstage 22. und 29. September. Die Stadt München formuliert es so: bis 19 Uhr gelten ermäßigte Fahr-, Eintritts- und Verkaufspreise. Wie hoch der Nachlass ausfällt, entscheidet jeder Betrieb selbst.

Auf den anderen Festen ist die Regel meist klarer:

  • Gäubodenvolksfest Straubing: Kinder- und Familientag am 11. und 17. August 2026, bis 19 Uhr halbe Fahrpreise und Sonderangebote auf dem gesamten Festplatz.
  • Nürnberger Herbstvolksfest: Familientage mittwochs am 2. und 9. September 2026, 14 bis 21 Uhr, sämtliche Fahrgeschäfte zum halben Preis.
  • Augsburger Plärrer: Familientag ist der Mittwoch. Vergünstigte Preise gelten an Fahrgeschäften und Ständen bis 20 Uhr, in den Festzelten bis 18 Uhr.
  • Erlanger Bergkirchweih: Familientag am zweiten Berg-Donnerstag, 2026 der 28. Mai, viele Fahrgeschäfte mindestens 50 Prozent günstiger.
  • Coburger Vogelschießen: Kinder- und Familientag am Mittwoch, 5. August 2026, von 14 bis 20 Uhr mit vergünstigten Fahrpreisen.

Auf dem Oktoberfest lohnt zusätzlich die Mittagswiesn: Montag bis Freitag bieten die Zelte meist zwischen 11 und 15 Uhr günstigere Gerichte an.

Die beste Tageszeit für den Besuch mit Kindern

Vormittags ist auf jedem Volksfest am meisten Platz. Die Fahrgeschäfte auf der Wiesn öffnen wochentags um 10 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen um 9 Uhr. In den ersten beiden Stunden gibt es kaum Schlangen, die Schausteller haben Zeit, und in den Zelten geht es deutlich leiser zu als am Abend.

Als Faustregel gilt: Wochentag, erste Festwoche, vor 15 Uhr. Ab dem späten Nachmittag füllt sich das Gelände, ab etwa 17 bis 18 Uhr wird es in den Gassen eng, und am Abend übernehmen die Erwachsenen das Fest.

Die vollsten Tage sind die Samstage und, auf dem Oktoberfest, der 3. Oktober. Wer mit Kinderwagen unterwegs ist, streicht diese Tage besser — nicht nur wegen des Gedränges, sondern weil dann ein Kinderwagenverbot gilt.

Fahrgeschäfte: Alter, Mindestgröße, Begleitung

Mindestgrößen und Altersgrenzen legt nicht die Stadt fest, sondern der Betreiber des jeweiligen Geschäfts auf Grundlage der Zulassung. Sie hängen an der Körpergröße, weil Bügel und Rückhaltesysteme darauf ausgelegt sind. Der Aushang an der Kasse ist verbindlich, auch wenn das Kind sich für groß genug hält.

Typische Staffelung auf einem bayerischen Volksfest:

  • Kinderkarussell, Märchenbahn, kleiner Scooter: ab etwa 3 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen.
  • Familienachterbahnen wie Wilde Maus: ab 3 Jahren in Begleitung, je nach Anlage ab 5 bis 8 Jahren allein.
  • Geschäfte mit 1,20 Meter Mindestgröße: kleinere Kinder nur in Begleitung.
  • Schnelle Rundfahrgeschäfte und Überkopfbahnen: häufig 1,30 Meter in Begleitung, 1,40 Meter allein.

Der TÜV-Verband rät, Kinder auf schnell drehenden Geschäften eher nach innen zu setzen, weil dort geringere Fliehkräfte wirken, und vor dem Start zu prüfen, ob der Bügel wirklich geschlossen ist. Geprüft wird jede Anlage nach dem Aufbau, das ersetzt aber nicht den eigenen Blick auf die Sicherung.

Die Oide Wiesn als ruhiger Teil des Oktoberfests

Die Oide Wiesn ist der historische Bereich im Südteil der Theresienwiese. Sie ist der einzige Teil des Oktoberfests mit Eintritt: 4 Euro für Erwachsene, Kinder bis 14 Jahre frei, ab 21 Uhr freier Eintritt für alle. Wer eine Schwerbehinderung ab einem Grad von 50 nachweist, zahlt ebenfalls nichts.

Ruhiger ist der Bereich aus zwei Gründen. Erstens ist er abgetrennt, und der Eintritt bremst den Durchgangsverkehr. Zweitens fehlen die modernen Hochgeschwindigkeitsgeschäfte. Stattdessen stehen dort nostalgische Anlagen wie der Kettenflieger von 1919 oder die Fahrt ins Paradies aus den fünfziger Jahren. Eine Fahrt kostet dort rund 1,50 Euro statt der 4 bis über 10 Euro auf dem großen Teil.

Für Familien praktisch sind das Museumszelt mit freiem Eintritt und kostenlosem Kinderprogramm, das Münchner Marionettentheater und der Limogarten, in dem mitgebrachtes Essen erlaubt ist.

Kinderprogramm und historische Kinderfeste

Auf dem Oktoberfest gibt es das Familien-Platzl an der Straße 3/Ost mit Holzboden, Kinderwagengarage, Wickeltischen, Kindertoiletten und einer Mikrowelle. Im Museumszelt der Oide Wiesn läuft täglich ein kostenloses Programm für Kinder ab etwa sechs Jahren: Kinderschminken, Ballonkünstler, Drehorgel, Hochrad und eine Schnitzeljagd zur Schaustellergeschichte.

Ponyreiten gibt es in München nicht mehr. Der zuständige Stadtratsausschuss beschloss 2021 ein Verbot für Feste, Dulten und Jahrmärkte auf städtischen Flächen, gültig seit 1. Januar 2024. Außerhalb Münchens ist das Angebot vereinzelt noch zu finden.

Wer ein Fest sucht, bei dem Kinder nicht Publikum, sondern Hauptsache sind, fährt zu den historischen Kinderfesten:

  • Tänzelfest Kaufbeuren, Mitte Juli, zwölf Tage: gilt als ältestes Kinderfest Bayerns, in den Stadtunterlagen ab 1557 belegt. Rund 1.850 Kinder in historischen Gewändern, über 170 Pferde und 36 Festwagen spielen die Stadtgeschichte nach.
  • Memminger Kinderfest am vorletzten Donnerstag vor den bayerischen Sommerferien, erstmals 1571 erwähnt: Gottesdienst, Singen und Tanzen auf dem Marktplatz, nachmittags ein Festzug zum Spielplatz.
  • Memminger Fischertag am Samstag darauf: um 7.15 Uhr der Fischerzug, um 8 Uhr steigen nach einem Böllerschuss alle in den Stadtbach. Wer die Königsforelle fängt, wird Fischerkönig.
  • Coburger Vogelschießen: Festzug der Schützen durch die Altstadt, dazu am Familientag eine Kinderzaubershow und Kinderdisco.

Lärm und Gehörschutz

Ein volles Festzelt am Abend liegt in derselben Größenordnung wie Konzerte und Sportveranstaltungen, für die der TÜV-Verband 90 bis 120 Dezibel angibt. Schon ab 85 Dezibel kann das Gehör Schaden nehmen. Bei Kindern setzen Fachleute die Grenze niedriger an, etwa bei 80 Dezibel, was ungefähr einem Rasenmäher entspricht.

Praktisch heißt das: Für den Vormittag auf dem Gelände braucht es meist keinen Gehörschutz, für ein volles Zelt am Abend schon, und zwar für jedes Kind, das mitgeht. Empfohlen werden Kapselgehörschützer oder Stöpsel mit einem SNR-Wert zwischen 30 und 37 Dezibel, mit CE-Kennzeichnung und geprüft nach DIN EN 352. Entscheidend ist der Sitz — ein Bügel, der nicht dicht abschließt, bringt wenig.

Auch einzelne Fahrgeschäfte sind laut. Wer den Gehörschutz ohnehin dabei hat, setzt ihn dort auf, wo das Kind von selbst die Ohren zuhält.

Jugendschutz: was Gesetz und Festordnung vorgeben

Für Festzelte gilt das Jugendschutzgesetz wie für jede Gaststätte. Nach § 4 JuSchG darf der Aufenthalt Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nur gestattet werden, wenn eine personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person sie begleitet, oder wenn sie zwischen 5 und 23 Uhr eine Mahlzeit oder ein Getränk einnehmen. Jugendlichen ab 16 Jahren darf der Aufenthalt ohne Begleitung zwischen 24 und 5 Uhr nicht gestattet werden.

Beim Alkohol unterscheidet § 9 JuSchG zwei Gruppen: Bier, Wein, weinähnliche Getränke, Schaumwein und Mischungen daraus dürfen an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht abgegeben werden. Alle anderen alkoholischen Getränke, also Spirituosen und Gebranntes, dürfen an Kinder und Jugendliche generell nicht abgegeben werden, auch nicht mit 17. Nur für die erste Gruppe gibt es eine Ausnahme: Begleitet eine personensorgeberechtigte Person den Jugendlichen, ist Bier oder Wein ab 14 zulässig. Eine erziehungsbeauftragte Person genügt dafür nicht.

Auf dem Oktoberfest kommt die städtische Oktoberfestverordnung dazu, und die ist strenger als das Bundesgesetz: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen sich ab 20 Uhr nur in Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person auf der Festwiese aufhalten. Kindern unter 6 Jahren ist der Aufenthalt in Bierzelten ab 20 Uhr ganz untersagt, auch mit den Eltern.

Packliste und die Frage nach dem Kinderwagen

Was in die Tasche gehört:

  • Gehörschutz für jedes Kind, passend zur Kopfgröße.
  • Wechselsachen und eine Tüte für Nasses. Zwischen Zuckerwatte, Karussell und Regen bleibt selten alles trocken.
  • Eigene Trinkflasche. Auf der Theresienwiese stehen zehn kostenlose Trinkwasserbrunnen, im Zelt kostet ein Liter Wasser gut elf Euro.
  • Sonnenschutz und Kopfbedeckung, weil Festplätze fast schattenlos sind, dazu eine Jacke für den Abend.
  • Bargeld, ein aktuelles Foto des Kindes auf dem Handy, ein Zettel oder Armband mit der Telefonnummer der Eltern.

Beim Kinderwagen ist die Lage auf dem Oktoberfest klar geregelt. Die Oktoberfestverordnung verbietet Kinderwagen samstags und am Tag der Deutschen Einheit ganztägig, an allen übrigen Wiesntagen ab 18 Uhr. An erlaubten Tagen lässt sich der Wagen in der Kinderwagengarage am Familien-Platzl abstellen. Verboten sind außerdem Glasflaschen sowie Taschen und Rucksäcke über drei Liter Fassungsvermögen — ähnliche Regeln gelten inzwischen auf vielen bayerischen Festen.

Kosten, Treffpunkt und Fundbüro

Ein Familientag ist kein billiger Tag. Für zwei Erwachsene und zwei Kinder liegt ein Wiesn-Besuch 2026 bei etwa 135 bis 185 Euro, wenn im Zelt gegessen wird. Die Maß kostet 14,80 bis 15,90 Euro, ein halbes Hendl 16,90 bis 19,90 Euro, eine große Brezn 7 bis 8 Euro. Kleine Karussells kosten 4 bis 6 Euro pro Fahrt, größere Geschäfte über 10 Euro.

Drücken lässt sich die Summe über den Familientag selbst, über Essen an den Ständen statt im Zelt, über die Trinkbrunnen und über einen Teil des Tages auf der Oide Wiesn, wo eine Fahrt 1,50 Euro kostet.

Zur Sicherheit drei Punkte, die sich bewähren. Erstens einen Treffpunkt vereinbaren, bevor man das Gelände betritt, und ihn vom Kind wiederholen lassen. Das Münchner Stadtjugendamt rät ausdrücklich, dafür nicht die Bavaria oder das Riesenrad zu wählen, sondern den Eingang des Servicezentrums, weil die Wahrzeichen zu voll sind. Zweitens ein Armband oder ein Zettel in der Jackentasche mit der Handynummer. Drittens die Anlaufstellen kennen: Das Servicezentrum Theresienwiese bietet Wickeln und Stillen, der Jugendschutz ist dort abends besetzt.

Häufige Fragen

Wann sind 2026 die Familientage auf dem Oktoberfest?

Am Dienstag, 22. September, und Dienstag, 29. September 2026. Bis 19 Uhr gelten ermäßigte Fahr-, Eintritts- und Verkaufspreise. Die Höhe der Ermäßigung legt jeder Betrieb selbst fest, halbe Fahrpreise sind nicht garantiert.

Darf mein Kind mit dem Kinderwagen aufs Oktoberfest?

An Samstagen und am 3. Oktober sind Kinderwagen ganztägig verboten, an allen anderen Tagen ab 18 Uhr. Am Familien-Platzl gibt es eine Kinderwagengarage.

Bis wann dürfen Kinder ohne Eltern auf dem Festgelände bleiben?

Nach § 4 Jugendschutzgesetz ist der Aufenthalt in Gaststätten unter 16 Jahren nur in Begleitung erlaubt, ausgenommen ein Essen oder Getränk zwischen 5 und 23 Uhr. Auf dem Oktoberfest gilt zusätzlich die Oktoberfestverordnung: Unter 16-Jährige dürfen ab 20 Uhr nur mit personensorgeberechtigter oder erziehungsbeauftragter Person auf dem Gelände sein, Kinder unter 6 Jahren gar nicht mehr in die Bierzelte.

Ab wann braucht ein Kind Gehörschutz auf dem Volksfest?

Draußen am Vormittag meist nicht, in einem gut gefüllten Festzelt am Abend schon. Solche Veranstaltungen erreichen 90 bis 120 Dezibel, während bei Kindern bereits ab etwa 80 Dezibel Schäden möglich sind. Sinnvoll sind Kapselgehörschützer oder Stöpsel mit SNR 30 bis 37 Dezibel nach DIN EN 352.

Welche Fahrgeschäfte darf ein vierjähriges Kind nutzen?

Kinderkarussells, Märchenbahnen und Familienachterbahnen wie die Wilde Maus sind meist ab 3 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen erlaubt. Allein fahren dürfen Kinder dort in der Regel erst ab 5 bis 8 Jahren. Größere Geschäfte verlangen 1,20 bis 1,40 Meter Körpergröße, maßgeblich ist immer der Aushang an der Kasse.

Was kostet ein Volksfestbesuch mit zwei Kindern?

Auf der Wiesn 2026 sind für zwei Erwachsene und zwei Kinder etwa 135 bis 185 Euro realistisch, wenn im Zelt gegessen wird. Wer an einem Familientag kommt, an Ständen isst und die Oide Wiesn mit 1,50 Euro pro Fahrt einbaut, kommt deutlich günstiger weg.

Bild oben: -wuppertaler · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons