
Oberstdorf · Viehscheid
In Oberstdorf, dem südlichsten Ort Deutschlands, endet der Alpsommer traditionell an einem Samstag Mitte September: Rund 1.000 Tiere kommen von den Alpen rund um das Tal herab und werden auf der Loretto-Wiese den Besitzern zugeteilt.
Der Viehscheid gehört zu den größten und meistbesuchten im Allgäu und markiert zugleich den Auftakt in den goldenen Oberstdorfer Herbst.
Das nächste Viehscheid Oberstdorf beginnt am 12.09.2026 – in 9 Tagen.
| Jahr | Termin | Dauer | Status |
|---|---|---|---|
| 2026 | 12.09.2026 | 1 Tage | Termin steht |
| 2027 | 11.09.2027 | 1 Tage | voraussichtlich |
So wird der Termin bestimmt
Liegt traditionell an einem Samstag Mitte September, meist eine Woche nach dem Viehscheid in Schöllang.
Das Festzelt an der Loretto-Wiese öffnet gegen 8.30 Uhr, ab etwa 9 bis 9.30 Uhr treffen die ersten Herden ein. Über den Vormittag verteilt kommen nacheinander mehrere Alpen mit insgesamt rund 1.000 Tieren zu Tal, angeführt jeweils vom geschmückten Leittier, sofern der Sommer unfallfrei verlief. Ist die letzte Herde eingetroffen, beginnt im Festzelt ein musikalisches Programm mit Blaskapellen, das bis in den Nachmittag reicht. Wer die Loretto-Wiese schon vor 8 Uhr erreicht, findet noch einen Platz nahe der Absperrung und kann die Ankunft der ersten Herde aus nächster Nähe verfolgen.
Oberstdorf gilt vielen Chronisten als einer der ältesten Viehscheid-Orte im Allgäu; regionale Überlieferungen datieren erste Hinweise auf das herbstliche Scheiden der Alpherden bis ins Mittelalter zurück. Über Jahrhunderte war der Vorgang reine Arbeit der Alpgenossenschaften, die ihre gemeinsam gesömmerten Tiere wieder den einzelnen Höfen zuordneten. Mit dem Tourismus im Oberallgäu wurde daraus ab dem 20. Jahrhundert zusätzlich ein öffentliches Fest mit Musik und Marktständen, ohne dass der eigentliche bäuerliche Kern verloren ging. Auch die Bahnstrecke, die 1888 bis nach Oberstdorf verlängert wurde, hat den Ort für Viehscheid-Gäste von außerhalb erst richtig erschlossen.
Das Besondere
Mit rund 1.000 Tieren zählt Oberstdorf zu den größten Viehscheiden im Allgäu, zugleich liegt der Ort verkehrsgünstig als Endpunkt der Bahnstrecke, was ihn zum meistbesuchten Termin für Tagesgäste ohne eigenes Auto macht. Zusätzlich profitiert Oberstdorf von seiner Lage als Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderwege, sodass sich der Viehscheid gut mit einer Bergtour am Vortag verbinden lässt.
Die Loretto-Wiese liegt fußläufig vom Bahnhof Oberstdorf, dem südlichsten Bahnhof Deutschlands, was die Anreise mit der Bahn deutlich erleichtert. Für PKW stehen die kostenpflichtigen Parkflächen P1 bis P3 am Ortseingang zur Verfügung, sie sind an Viehscheid-Tagen erfahrungsgemäß früh belegt. Der Ortskern selbst wird für den Umzug der Herden zeitweise gesperrt. Wer von München oder Kempten anreist, nutzt am besten die durchgehende Regionalbahnverbindung, um Staus auf der B19 an diesem verkehrsreichen Tag zu umgehen.
Ab etwa 9 bis 9.30 Uhr treffen die ersten Herden auf der Loretto-Wiese ein, danach ziehen sich die weiteren Alpen bis in den späten Vormittag hinein. Wer früh kommt, sieht auch das Aufstellen des Festzelts und die letzten Vorbereitungen der Alphirten.
Nur wenn der komplette Alpsommer ohne Unfall, Krankheit oder Verlust eines Tieres verlief, führt ein mit Blumen und Glocke geschmücktes Kranzrind die Herde an. Nach einem Unglück treiben die Hirten ungeschmückt und ohne Musik.
An den kostenpflichtigen Parkflächen P1 bis P3 am Ortseingang von Oberstdorf; die Anreise mit der Bahn bis zum Endbahnhof Oberstdorf ist die praktischere Alternative.
Ja, das Zuschauen auf der Loretto-Wiese kostet nichts, im Festzelt wird nur der Verzehr berechnet.
Ja, die Loretto-Wiese bietet gute Sicht, dennoch sollten Kinder wegen der großen Tierzahl nicht unbeaufsichtigt an die Absperrung. Für kleinere Kinder empfiehlt sich eine erhöhte Position, etwa auf den Schultern eines Erwachsenen, um über die Absperrung hinwegzusehen.
Der Termin selbst fällt nur bei extremem Wetter aus; ist auf einer der beteiligten Alpen ein Tier zu Schaden gekommen, kommt deren Herde ohne Schmuck und ohne Musik.
Das musikalische Programm im Festzelt läuft bis in den Nachmittag, bei gutem Wetter bis zum frühen Abend.
Bild oben: Strubbl · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons