
Ratgeber
Christkindlmarkt, Weihnachtsmarkt und Adventsmarkt sind meist derselbe Markt mit anderem Namen. Ein Überblick über Typen, Saisonzeiten, Regionen und die Geschichte vom Nikolaimarkt zum heutigen Markt.
Die drei Namen bezeichnen im Kern dieselbe Sache: einen Markt mit weihnachtlichem Warenangebot, Glühweinständen und weihnachtlicher Dekoration, der in den Wochen vor Heiligabend stattfindet. Eine verbindliche Definition, die einen „Christkindlmarkt" rechtlich von einem „Weihnachtsmarkt" unterscheidet, gibt es nicht. Der Name folgt der örtlichen Tradition.
In Franken und Teilen Altbayerns hat sich Christkindlesmarkt beziehungsweise Christkindlmarkt durchgesetzt, etwa beim Nürnberger Christkindlesmarkt, dem Augsburger Christkindlesmarkt und dem Bayreuther Christkindlesmarkt. Der Name geht auf den Wandel vom Nikolaus zum Christkind als Gabenbringer zurück, der sich unter dem Einfluss von Reformation und Aufklärung vollzog. Weihnachtsmarkt ist der neutrale Oberbegriff, gebräuchlich etwa in Bamberg, Coburg, Würzburg und Aschaffenburg.
Adventsmarkt ist seltener ein reiner Namensunterschied, sondern deutet in der Praxis meist auf ein kürzeres Format hin: Märkte mit diesem Namen laufen häufig nur an einzelnen Adventswochenenden statt durchgehend. Der Kulmbacher Adventsmarkt etwa findet nur von Freitag bis Sonntag am ersten Advent statt, der Füssener Adventsmarkt nur am zweiten und dritten Adventswochenende. Zwingend ist das nicht: Der Berchtesgadener Advent läuft dagegen wochenlang bis in den Januar hinein.
Unter dem Sammelbegriff Weihnachtsmarkt stecken in Bayern sehr unterschiedliche Formate:
Die meisten bayerischen Weihnachtsmärkte starten am Freitag vor dem ersten Advent oder am Freitag vor Totensonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent. Totensonntag selbst gilt in der evangelischen Tradition als stiller Feiertag, an dem der Verstorbenen gedacht wird. Mehrere Märkte tragen dem Rechnung: Der Landshuter Christkindlmarkt öffnet zwar rund zehn Tage vor dem ersten Advent, bleibt an Totensonntag selbst aber geschlossen, ebenso der Aschaffenburger Weihnachtsmarkt.
Andere Städte legen den Start bewusst auf den Totensonntag-Freitag, damit der Markt am ersten vollen Adventswochenende schon läuft, so beim Christkindlmarkt Marienplatz, dem Mittelaltermarkt Wittelsbacherplatz und mehreren Münchner Stadtteilmärkten. Wieder andere, etwa der Günzburger Weihnachtsmarkt, dauern nur vier Tage rund um ein einzelnes Adventswochenende.
Das Ende der Saison folgt keiner einheitlichen Regel, sondern der jeweiligen örtlichen Tradition. Ein großer Teil der Märkte schließt am 23. Dezember, so der Landshuter, der Straubinger und der Bamberger Weihnachtsmarkt sowie der Würzburger Weihnachtsmarkt. Andere öffnen noch am 24. Dezember, allerdings mit verkürzten Vormittagsöffnungszeiten, etwa der Erlanger Weihnachtsmarkt, der Rosenheimer Christkindlmarkt und der Christkindlmarkt in Bad Reichenhall.
Der Aschaffenburger Weihnachtsmarkt schließt dagegen bereits am 21. Dezember, der Passauer Christkindlmarkt und mehrere Regensburger Märkte enden um den 22. Dezember. Ein Grund dafür ist die Logistik: Standbetreiber brauchen selbst Zeit zum Abbau vor dem eigenen Weihnachtsfest, und Heiligabend ist traditionell ab dem Nachmittag ein Ruhetag im Einzelhandel. Umgekehrt verlängern touristisch ausgerichtete Orte bewusst bis in den Januar, etwa der Berchtesgadener Advent bis in die erste Januarwoche und der Christkindlmarkt Garmisch-Partenkirchen bis Anfang Januar.
Vorweihnachtliche Verkaufsmärkte reichen in Deutschland weit zurück: Für Wien ist ein solcher Markt bereits 1296 dokumentiert, für Bautzen 1384. In Bayern zeigt sich die Entwicklung besonders deutlich an den beiden großen Traditionsmärkten.
Der Nürnberger Christkindlesmarkt gilt zwar seit Jahrzehnten als einer der ältesten Deutschlands, doch das genaue Gründungsdatum wurde erst kürzlich neu bewertet. Stadtarchiv und Germanisches Nationalmuseum ordneten eine Jahreszahl auf einer historischen Spanschachtel, die lange als 1628 gelesen wurde, im Zuge neuer Forschung als Fehllesung ein: Das Jahr liegt vor der Lebenszeit der auf der Schachtel genannten Personen. Als älteste gesicherte Erwähnung des Marktes gilt heute 1678, während einzelne vorweihnachtliche Verkaufsstände auf dem Hauptmarkt schon bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgt werden können. Nach heutigem Kenntnisstand feiert der Markt 2028 sein 350-jähriges Bestehen.
Der Münchner Christkindlmarkt geht der Überlieferung nach auf einen Nikolaimarkt zurück, der bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen soll; schriftlich fassbar ist die sogenannte Nikolaidult erstmals 1642 in der Kaufinger Straße. Mit dem Wandel vom Nikolaus zum Christkind als Gabenbringer im frühen 19. Jahrhundert änderte sich auch der Marktname. 1806 zog der Markt erstmals um, seinen heutigen festen Platz am Marienplatz hat er seit 1972.
Mittelfranken und Oberfranken bilden die dichteste Konzentration traditionsreicher Christkindlesmärkte: Nürnberg, Bayreuth, Rothenburg ob der Tauber und Bamberg, wo zusätzlich zum Weihnachtsmarkt die Bamberger Krippenwege bis zum Dreikönigstag laufen.
Oberbayern ist vor allem durch München geprägt, wo mehr als ein Dutzend thematisch unterschiedliche Märkte gleichzeitig laufen, vom großen Markt am Marienplatz über den Mittelaltermarkt bis zu kleineren Stadtteilmärkten in Schwabing und Haidhausen. Im Alpenvorland und in den Alpen dominieren dagegen die Bergadvente, etwa in Berchtesgaden, Oberstdorf und Rottach-Egern.
In Schwaben ist der Augsburger Christkindlesmarkt vor dem Renaissance-Rathaus der bekannteste, mit dem seit 1977 aufgeführten Engelesspiel als Wahrzeichen: An festen Terminen erscheinen 23 als Engel kostümierte Personen in den symmetrischen Fenstern der Rathausfassade. In Niederbayern und der Oberpfalz stehen die Christkindlmärkte in Landshut, Straubing und Passau sowie gleich mehrere parallele Regensburger Märkte im Zentrum, darunter die Schlossweihnacht bei Thurn und Taxis. In Unterfranken ist der Würzburger Weihnachtsmarkt der größte der Region.
Die vollständige Liste aller Märkte einer Region mit Terminen findet sich auf den Übersichtsseiten der Weihnachtsmärkte, etwa für Oberbayern, Mittelfranken oder Schwaben.
Rechtlich keiner. Beide Begriffe bezeichnen denselben Markttyp, der Name folgt der örtlichen Tradition. In Franken und Altbayern ist Christkindlesmarkt bzw. Christkindlmarkt gebräuchlich, in anderen Regionen der neutrale Begriff Weihnachtsmarkt.
Meist ein kürzeres Format: Märkte mit diesem Namen laufen oft nur an einzelnen Adventswochenenden statt über die ganze Saison, etwa der Kulmbacher Adventsmarkt nur am ersten Advent. Verbindlich ist das aber nicht, der Berchtesgadener Advent läuft zum Beispiel wochenlang.
Die meisten Märkte beginnen am Freitag vor dem ersten Advent oder am Freitag vor Totensonntag, dem letzten Sonntag davor. Einzelne Märkte, etwa in Berchtesgaden, öffnen schon Mitte November.
Das folgt keiner einheitlichen Regel. Ein Teil der Märkte schließt bereits am 21. bis 23. Dezember, andere öffnen an Heiligabend selbst noch mit verkürzten Vormittagszeiten. Touristisch ausgerichtete Bergadvente wie in Berchtesgaden laufen sogar bis in den Januar.
Ein kleinerer Weihnachtsmarkt in einem Alpen- oder Voralpenort, meist nur an Wochenenden geöffnet, etwa der Berchtesgadener Advent oder der Oberstdorfer Advent. Der Name grenzt diese Märkte von den großen Stadtmärkten ab.
Als älteste gesicherte urkundliche Erwähnung gilt heute 1678, nachdem Stadtarchiv und Germanisches Nationalmuseum die zuvor kursierende Jahreszahl 1628 als Fehllesung einer historischen Inschrift widerlegt haben. Einzelne vorweihnachtliche Verkaufsstände lassen sich aber schon bis Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Bild oben: Rene Schwietzke from Jena, Germany · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons