Fahrgeschäfte auf einem Volksfest in der Dämmerung

Ratgeber

Warum die Volksfest-Termine jedes Jahr anders liegen

Kaum ein bayerisches Fest hat ein festes Datum. Die Termine folgen Regeln – und wer sie kennt, weiß den Termin für 2028 schon heute.

Fast nie ein festes Datum

Die wenigsten der rund 200 Feste in diesem Kalender haben ein festes Datum, die meisten eine Regel. Das Oktoberfest beginnt am Samstag nach dem 15. September und endet am ersten Sonntag im Oktober – außer der 3. Oktober fällt auf einen Montag, dann wird seit 1994 um einen Tag verlängert, oder auf einen Dienstag, dann muss der Münchner Stadtrat einer Verlängerung um zwei Tage im Vorjahr eigens zustimmen. Das Gäubodenvolksfest beginnt am Freitag vor Mariä Himmelfahrt, die Bergkirchweih startet am Donnerstag vor Pfingsten und hängt damit direkt am beweglichen Osterdatum. Die Landshuter Bartlmädult folgt einer der ältesten überlieferten Regeln überhaupt: Schon die Stiftungsurkunde von 1339 legte fest, dass acht Tage vor und acht Tage nach dem Bartholomäustag am 24. August Markt gehalten werden soll – eine Regel, die bis heute den Rahmen für den Termin vorgibt.

Die kirchlichen Anker

Viele Terminregeln hängen an Feiertagen und Namenstagen des Kirchenjahres. Der Kirchweihtag selbst – ursprünglich der Weihetag der Ortskirche – ist der älteste Anker und liegt bei der Allerweltskirchweih seit 1866 einheitlich am dritten Sonntag im Oktober. Pfingsten setzt den Termin der Bergkirchweih, Fronleichnam liegt zehn Tage später und markiert bei einigen fränkischen Kerwen den Saisonauftakt. Bartholomäus am 24. August gibt der Landshuter Bartlmädult Namen und Termin, Mariä Himmelfahrt am 15. August dem Gäubodenvolksfest, Michaeli am 29. September der Fürther Michaelis-Kirchweih und der Amberger Michaeli-Dult, Anna am 26. Juli dem Annafest in Forchheim und Kilian am 8. Juli dem Kiliani-Volksfest in Würzburg. Wer den Namenstag eines Fests kennt, kennt damit meist schon den ungefähren Termin.

Bewegliche Feiertage: wie ein Datum eine ganze Kette verschiebt

Ostern ist kein festes Datum, sondern richtet sich nach dem Mondkalender und fällt zwischen dem 22. März und dem 25. April. Weil Pfingsten, fünfzig Tage nach Ostern, und Fronleichnam, zehn Tage danach, direkt daran hängen, verschiebt sich mit dem Osterdatum eine ganze Kette von Festterminen um bis zu einen Monat – die Bergkirchweih kann deshalb schon Mitte Mai oder erst Mitte Juni beginnen, und mit ihr rücken auch benachbarte Kirchweihen und Kerwen, die sich zeitlich an ihr orientieren. Wer die Terminregel eines Fests kennt, kann seinen Termin für jedes künftige Jahr selbst berechnen, ohne auf die Bestätigung des Veranstalters zu warten – genau deshalb steht die Regel bei jedem Fest in diesem Kalender.

Die Oktoberfest-Regel im Detail

Die Grundregel klingt einfach, ist in der Umsetzung aber genau festgelegt: Start ist der Samstag nach dem 15. September, Ende regulär der erste Sonntag im Oktober. Weil der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit ein gesetzlicher Feiertag ist, wird seit 1994 automatisch um einen Tag verlängert, wenn er auf einen Montag fällt. Fällt er auf einen Dienstag, reicht die automatische Regel nicht – hier muss der Münchner Stadtrat der zweitägigen Verlängerung im Jahr davor eigens zustimmen. Dadurch dauert das Oktoberfest je nach Jahr zwischen 16 und 18 Tagen, und die genaue Tageszahl steht in manchen Jahren erst nach einem politischen Beschluss endgültig fest, nicht allein aus dem Kalenderblatt.

Warum die Schulferien mitentscheiden

Viele Gemeinden legen ihr Volksfest bewusst in die Ferienzeit oder unmittelbar davor, damit Familien mit Kindern kommen können, ohne dass am nächsten Morgen Schule ist – vor allem bei Festen, die schon unter der Woche beginnen. Andere schieben ihren Termin lieber knapp vor den Ferienbeginn, weil dann noch nicht die halbe Stadt im Urlaub und das Publikum für ein Volksfest noch vollständig vor Ort ist. Weil die bayerischen Sommerferien selbst von Jahr zu Jahr um mehrere Wochen wandern, verschiebt sich mit ihnen indirekt auch der von manchen Gemeinden bevorzugte Zeitraum – ein weiterer Grund, warum sich derselbe Termin nicht einfach von einem Jahr auf das nächste übertragen lässt.

Warum die großen Feste im Spätsommer liegen

Die großen bayerischen Volksfeste liegen nicht zufällig zwischen Juli und Oktober: Als landwirtschaftliche Leistungsschauen entstanden, wurden sie bewusst in die Zeit nach der Ernte gelegt, wenn die Bauern Zeit und die Städte volle Scheunen zum Zeigen hatten. Das Gäubodenvolksfest von 1812 und das Oktoberfest von 1810 fallen deshalb beide in den Spätsommer beziehungsweise frühen Herbst, nicht in Frühling oder Winter. Bis heute hält sich diese Grundlogik bei vielen großen Festen, auch wenn der ursprüngliche landwirtschaftliche Anlass längst in den Hintergrund getreten ist und reine Kirchweihen und Kerwen davon unabhängig übers ganze Jahr verteilt bleiben.

Die Schausteller entscheiden mit

Ein Volksfest braucht Fahrgeschäfte, Verkaufsstände und Gastronomie, und die stehen nicht das ganze Jahr an einem Ort – sie touren von Fest zu Fest. Rund 5.300 Schaustellerbetriebe bewerben sich in Deutschland auf etwa 9.750 Volksfeste im Jahr, bei größeren Festen mit einem Vielfachen mehr Bewerbungen als Standplätzen; die Bewerbung für die Saison des Folgejahres läuft meist im letzten Quartal des Vorjahres. Ein Termin, an dem die passenden großen Fahrgeschäfte anderswo gebucht sind, funktioniert für die Gemeinde nicht – deshalb sprechen viele Veranstalter ihren Termin auch mit der Tourenplanung der überregional tätigen Schaustellerbetriebe ab, bevor sie ihn endgültig festlegen. Große Fahrgeschäfte wie ein transportables Riesenrad oder eine Achterbahn brauchen allein für Auf- und Abbau mehrere Tage, dazu kommt die Anfahrt zum nächsten Fest – bei eng getakteten Terminketten reicht die Zeit dafür manchmal nur knapp, was bei der Terminwahl mitgedacht werden muss.

Warum benachbarte Gemeinden ihre Termine absprechen

Läge die Kerwa im Nachbardorf am selben Wochenende, würden sich beide Feste gegenseitig die Besucher und teilweise auch die Schausteller streitig machen. In dicht mit Kirchweihen besetzten Regionen wie der Fränkischen Schweiz hat sich deshalb ein eingespieltes Nebeneinander etabliert: Jedes Dorf feiert an einem eigenen Wochenende zwischen Mai und Oktober, sodass Besucher übers Jahr mehrere Kerwen nacheinander besuchen können, statt sich an einem Wochenende zwischen mehreren entscheiden zu müssen. Ähnliche stille Absprachen gibt es zwischen benachbarten Städten mit großen Volksfesten, auch wenn sie selten offiziell verkündet werden und sich vor allem an der über Jahre gewachsenen Praxis ablesen lassen.

Wie eine Gemeinde ihren Termin beschließt

Formal ist ein Volksfest meist eine kommunale Einrichtung oder wird an einen privaten Veranstalter übertragen; über Termin, Platz und Zulassungskriterien für die Schausteller entscheidet in der Regel der Stadt- oder Gemeinderat, oft schon ein bis zwei Jahre im Voraus und nach Rücksprache mit Feuerwehr, Ordnungsamt und den größten Schaustellern. Veröffentlicht wird der Beschluss danach über die Homepage der Stadt, den Veranstalter oder Fachverbände wie den Bayerischen Schaustellerverband – meist im Lauf des Vorjahres, bei den ganz großen Festen zum Teil deutlich früher. Änderungen an einer über Jahrzehnte gewachsenen Terminregel sind selten, weil sie Besucher, Vereine und Schausteller gleichermaßen betreffen und meist gute Gründe brauchen, um durchgesetzt zu werden.

Warum viele Termine erst im Frühjahr feststehen

Für das laufende und das kommende Jahr sind die Termine der meisten Feste in diesem Kalender bereits bekannt oder aus der Regel sicher abzuleiten. Für das übernächste Jahr fehlt dagegen oft noch die offizielle Bestätigung: Der Festplatz muss verfügbar sein, die großen Schaustellerbetriebe müssen zugesagt haben, und bei beweglichen Feiertagen steht das genaue Datum erst fest, wenn der Kirchenkalender es hergibt. Viele Gemeinden bestätigen ihren Termin deshalb erst im Frühjahr des Vorjahres offiziell, obwohl er sich aus der bekannten Regel rechnerisch oft schon Jahre vorher ableiten lässt.

Wie man hier erkennt: bestätigt oder abgeleitet

Jeder Termin in diesem Kalender trägt eine von zwei Markierungen. Bestätigt bedeutet, der Veranstalter hat das Datum offiziell veröffentlicht. Voraussichtlich bedeutet, der Termin wurde aus der bekannten Terminregel des Fests errechnet, weil eine offizielle Bestätigung noch fehlt – das ist der ehrlichere Weg, als einen Termin einfach zu behaupten, auch wenn er sich am Ende fast immer als richtig erweist. Wer ganz sicher gehen will, prüft kurz vor der Fahrt die verlinkte Seite des Veranstalters; sie ist bei jedem Fest auf dieser Seite hinterlegt.

Ausblick: andere Feste, andere Logik

Nicht jede Terminlogik in diesem Kalender folgt dem Kirchenjahr. Weihnachtsmärkte orientieren sich am Advent und öffnen meist Ende November bis kurz vor Heiligabend, Almabtriebe richten sich nach dem Wetter im Gebirge und stehen deshalb oft erst wenige Wochen vorher endgültig fest, nicht Jahre im Voraus wie viele Volksfeste. Wer einen Überblick über alle Termine einer Region sucht, findet ihn auf den Regionenseiten dieses Kalenders.

Häufige Fragen

Warum hat das Oktoberfest kein festes Datum?

Weil seine Regel an den Kalender gekoppelt ist, nicht an ein Datum: Start ist immer der Samstag nach dem 15. September, Ende der erste Sonntag im Oktober – je nachdem, auf welchen Wochentag der 3. Oktober fällt, kann sich das Ende um ein bis zwei Tage verschieben.

Warum liegt die Bergkirchweih jedes Jahr anders?

Weil sie am Donnerstag vor Pfingsten beginnt und Pfingsten wiederum vom beweglichen Osterdatum abhängt. Da Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen kann, verschiebt sich die Bergkirchweih und mit ihr ein ganzer Kranz benachbarter Kerwen um bis zu einen Monat.

Was bedeutet der Status "voraussichtlich" bei einem Termin?

Er zeigt, dass der Termin aus der bekannten Terminregel des Fests errechnet wurde, weil der Veranstalter ihn noch nicht offiziell bestätigt hat. Das ist üblich für Termine, die weiter in der Zukunft liegen, und deutlich ehrlicher, als einen unbestätigten Termin als sicher auszugeben.

Warum stehen manche Termine erst im Frühjahr des Vorjahres fest?

Weil dafür mehrere Dinge zusammenkommen müssen: die Verfügbarkeit des Festplatzes, die Zusage der großen Schaustellerbetriebe und bei beweglichen Feiertagen auch der Kirchenkalender selbst. Erst wenn all das geklärt ist, veröffentlicht die Gemeinde den Termin offiziell.

Warum feiern Nachbarorte selten am gleichen Wochenende?

Weil sich sonst Besucher und teilweise auch die Fahrgeschäfte auf beide Feste verteilen würden. In Regionen mit vielen kleinen Kirchweihen, etwa der Fränkischen Schweiz, hat sich deshalb über die Jahre ein Nebeneinander eingespielt, bei dem jeder Ort ein eigenes Wochenende bekommt.

Welche Rolle spielen die Schausteller bei der Terminwahl?

Eine größere, als man zunächst denkt. Fahrgeschäfte touren von Fest zu Fest, und ein Termin lässt sich nur halten, wenn genügend Betriebe zusagen. Weil sich deutlich mehr Schausteller bewerben, als Standplätze vorhanden sind, sprechen viele Veranstalter ihren Termin mit der Tourenplanung der größeren Betriebe ab.

Kann sich ein einmal veröffentlichter Termin noch ändern?

Selten, aber es kommt vor – etwa wenn der Festplatz anderweitig gebraucht wird, ein Jubiläum ansteht oder eine Stadt bewusst umlegt. Ausfälle ganzer Jahrgänge sind noch seltener, kamen aber 2020 und 2021 flächendeckend vor. Wer sicher gehen will, prüft kurz vor der Fahrt die verlinkte Seite des Veranstalters.

Bild oben: Soluvo · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons