Lichter eines Fahrgeschäfts

Ratgeber

Das bayerische Festjahr: was wann gefeiert wird

Vom Fasching im Winter über die Starkbierzeit im März bis zu den Weihnachtsmärkten im Advent: Der bayerische Festkalender folgt Kirchenjahr, Marktrecht, Erntezeit und Schulferien zugleich.

Ein Jahr, das nie stillsteht

Kaum ist ein Weihnachtsmarkt abgebaut, backen die ersten Faschingsvereine schon an der nächsten Saison. Bayerns Festjahr kennt kaum eine echte Pause, und wer die Muster einmal erkannt hat, kann fast jeden Termin selbst herleiten. Vier Kräfte bestimmen, wann was stattfindet: das kirchliche Jahr mit seinen beweglichen und festen Terminen, historisches Marktrecht, das ein Datum an einen bestimmten Heiligen bindet, der landwirtschaftliche Erntekalender und schließlich die schlichte Logistik einer Branche, die ständig unterwegs ist – die rund 5.300 Schaustellerbetriebe, die bundesweit etwa 9.750 Feste im Jahr beliefern.

Dieser Beitrag geht die fünf großen Rubriken dieser Seite in ihrer zeitlichen Reihenfolge durch: Volksfeste, Starkbierfeste, Almabtriebe, Weihnachtsmärkte und historische Feste – nicht nach Kategorie sortiert, sondern so, wie sie im Kalender tatsächlich aufeinanderfolgen.

Januar bis Fasching: die bewegliche Vorsaison

Die eigentliche Volksfestsaison beginnt erst im Frühjahr, aber das Jahr startet mit einem beweglichen Termin: Fasching und Fastnacht liegen seit dem 12. Jahrhundert zwischen dem 6. Januar und Aschermittwoch. Weil sich dieser Zeitraum am Osterdatum orientiert, das selbst vom Frühlingsvollmond abhängt, verschiebt sich die gesamte Faschingssession von Jahr zu Jahr – mal kürzer, mal länger, wie ein Blick auf zwei beliebige Kalenderjahre sofort zeigt.

Ein festes Volksfestprogramm gibt es in dieser Zeit noch nicht, dafür Bälle, Umzüge und Faschingssitzungen. Für die Schausteller sind diese Wochen keine Ruhepause im eigentlichen Sinn, sondern die Zeit für Wartung, Prüftermine und Verträge für die kommende Saison – die eigentliche Reisezeit beginnt erst danach.

März: die Starkbierzeit als Auftakt

Direkt im Anschluss an Fasching beginnt mit Aschermittwoch die vierzigtägige Fastenzeit, und genau hier setzt die Starkbierzeit an. Was ursprünglich Fastenbier für Mönche war, ist heute Münchens sogenannte fünfte Jahreszeit: Starkbierfeste einzelner Brauereien und Klosterkeller, allen voran der Nockherberg, laufen von Ende Februar bis in den März. Anders als die späteren Volksfeste ist die Starkbierzeit an Bräukeller gebunden, nicht an offene Festplätze, und sie endet mit dem Kalender der Kirche, nicht mit dem Wetter.

Ostern und die ersten Frühjahrsvolksfeste

Mit Ostern öffnen die ersten Volksfeste und Dulten des Jahres, meist noch bescheiden im Umfang: Frühjahrsdulten wie die Landshuter Frühjahrsdult, der Augsburger Frühjahrsplärrer, Frühlingsfeste in Nürnberg und München. Warm genug für lange Abende im Freien ist es selten, entsprechend kürzer und kleiner fallen diese Feste im Vergleich zum Sommer aus. Sie markieren aber den eigentlichen Auftakt der Saison für Schausteller, die von hier aus weiter in den Sommer touren.

Pfingsten: Bergkirchweih und Pfingstvolksfeste

Der nächste feste Punkt im Kirchenjahr ist Pfingsten, fünfzig Tage nach Ostern und damit ebenso beweglich. Die Erlanger Bergkirchweih beginnt traditionell am Donnerstag vor Pfingsten, ein Termin, der auf die Verlegung des Pfingstmarkts auf den Burgberg im Jahr 1755 zurückgeht. Auch anderswo in Bayern liegt in diesen Wochen ein eigener Pfingstvolksfest-Termin, etwa in Aibling, Ingolstadt, Amberg oder Simbach – kleinere Ausgaben desselben Grundmusters aus Bierzelt, Fahrgeschäften und Festzug.

Juni bis August: die dichte Sommersaison

Zwischen Pfingsten und Spätsommer verdichtet sich der Kalender am stärksten. Kirchweihen, Festwochen und Stadtfeste reihen sich fast lückenlos aneinander, von der Garmischer und Allgäuer Festwoche über zahlreiche Kirchweihen bis zum Kiliani-Volksfest in Würzburg. Zwei ganz unterschiedliche Gründe stecken dahinter: Die bayerischen Sommerferien konzentrieren Familien mit Zeit und Reisebereitschaft in diese Wochen, und in der Landwirtschaft ist zwischen Aussaat und Ernte die arbeitsärmste Zeit des Jahres – historisch genau das Zeitfenster, in dem sich ein mehrtägiges Fest überhaupt leisten ließ. Für Schausteller ist das zugleich die Phase mit der dichtesten Taktung: Ein Betrieb zieht in diesen Wochen oft im Wochenrhythmus von einem Fest zum nächsten.

September: Oktoberfest und die ersten Almabtriebe

Mitte September beginnt mit dem Oktoberfest das mit Abstand größte Fest des Jahres, benannt nach einem Monat, in dem es ursprünglich stattfand, heute aber überwiegend im September läuft. Fast zeitgleich, aber aus völlig anderem Anlass, beginnen in den Alpen die ersten Almabtriebe und Viehscheide: Sobald die Almwiesen nicht mehr genug Futter bieten, treiben die Hirten das Vieh zurück ins Tal. Der eine Termin folgt einer höfischen Tradition von 1810, der andere schlicht dem Wetter und dem Ende der Vegetationsperiode auf über 1.000 Metern Höhe – zwei Termine, die sich nur zufällig im Kalender überschneiden.

Oktober: Herbstvolksfeste, Kirchweih und Michaelismärkte

Der Oktober trägt gleich mehrere Terminanker gleichzeitig. Der 29. September, Michaeli, war jahrhundertelang das Ende des landwirtschaftlichen und des Brauereijahres – bis ins 20. Jahrhundert markierte er Zinstermine und Dienstbotenwechsel, und bis heute erinnern Namen wie die Amberger Michaeli-Dult oder die Fürther Michaelis-Kirchweih daran. Wenige Wochen später, am dritten Sonntag im Oktober, liegt die sogenannte Allerweltskirchweih, auf die im 19. Jahrhundert zahlreiche einzelne Pfarrkirchweihen zusammengelegt wurden. Dazwischen laufen die herbstlichen Nachfolgefeste der großen Sommerdulten, etwa die Regensburger und Passauer Herbstdult. Ältere, fest terminierte Traditionen wie die Nördlinger Mess' oder die Kinderzeche in Dinkelsbühl gehören eher zu den historischen Festen als zum klassischen Volksfest.

Ab Ende November: die Weihnachtsmärkte

Den Schlusspunkt des Festjahres setzen die Weihnachtsmärkte, etwa der Christkindlmarkt am Marienplatz in München. Ihr Start hängt am ersten Adventssonntag, also am vierten Sonntag vor Weihnachten, und rutscht damit je nach Kalenderjahr zwischen Ende November und den ersten Dezembertagen hin und her. Anders als die Volksfeste im Sommer sind Weihnachtsmärkte auf einen festen, kirchlich definierten Zeitraum begrenzt: Advent bis Heiligabend, seltener bis Silvester oder Dreikönig.

Warum die Termine liegen, wie sie liegen

Vier Systeme laufen im bayerischen Festkalender parallel. Das Kirchenjahr liefert sowohl bewegliche Termine wie Fasching, Ostern und Pfingsten als auch feste Gedenktage wie Michaeli oder Bartholomäus, an denen historische Marktrechte hängen – die Landshuter Bartlmädult etwa richtet sich bis heute nach dem Bartholomäustag am 24. August. Der Erntekalender der Landwirtschaft erklärt, warum der Sommer die dichteste Zeit ist und der Herbst traditionell der Moment für Dank- und Abschlussfeste war. Und schließlich sorgt die Verfügbarkeit der Schausteller dafür, dass benachbarte Orte ihre Termine kaum je auf dasselbe Wochenende legen: Ein Betrieb steht im Schnitt an über 140 Tagen im Jahr auf einem Platz und muss innerhalb der Saison von einem Fest zum nächsten weiterziehen. Wer diese vier Linien kennt, kann für die meisten bayerischen Feste den ungefähren Termin schon vor der offiziellen Bestätigung selbst herleiten.

Häufige Fragen

Wann beginnt die bayerische Festsaison?

Im engeren Sinn mit den ersten Frühjahrsdulten und Frühlingsfesten rund um Ostern. Davor liegen mit Fasching und der Starkbierzeit im Februar und März bereits zwei eigenständige Saisonabschnitte, die aber keine klassischen Volksfeste sind.

Warum verschiebt sich der Termin von Fasching und Ostervolksfesten jedes Jahr?

Weil sich beide am Osterdatum orientieren, und Ostern selbst hängt vom ersten Frühlingsvollmond ab. Dadurch kann Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen, und mit ihm verschieben sich Fastnacht, Aschermittwoch und die Frühjahrstermine.

Warum liegt die Allerweltskirchweih am dritten Sonntag im Oktober?

Weil im 19. Jahrhundert weltliche und kirchliche Obrigkeit die vielen einzelnen Pfarrkirchweihtermine auf einen gemeinsamen Sonntag zusammenlegten, um die zahlreichen arbeitsfreien Tage einzudämmen. Manche Orte behielten daneben ihren ursprünglichen Termin bei.

Warum ballen sich die Volksfeste im Sommer?

Zwei Gründe fallen zusammen: die bayerischen Sommerferien mit reisefreudigen Familien und die landwirtschaftlich arbeitsärmste Zeit zwischen Aussaat und Ernte, die historisch überhaupt erst Zeit für ein mehrtägiges Fest ließ.

Warum finden Almabtrieb und Oktoberfest im selben Monat statt?

Reiner Zufall der Kalender, keine gemeinsame Wurzel. Das Oktoberfest geht auf eine Hochzeitsfeier von 1810 zurück, die Almabtriebe und Viehscheide dagegen richten sich nach dem Ende der Vegetationsperiode auf den Almen, meist Mitte September bis Anfang Oktober.

Wann beginnt die Weihnachtsmarktsaison in Bayern?

Mit dem ersten Adventssonntag, dem vierten Sonntag vor Weihnachten. Je nach Kalenderjahr liegt dieser Termin zwischen Ende November und den ersten Dezembertagen.

Bild oben: Dietmar Rabich · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons